τὸ μὲν οὖν αἰσθάνεσθαι ὅμοιον τῷ ... νοεῖν.

Das Wahrnehmen nun ist ähnlich dem ... vernünftigen Erfassen.

Aristoteles (De Anima III, 7: 431a)

* * *

Donnerstag, 19. Februar 2015

In der Metaphysik lesen (1015b 15 – 35)

Der nächste Begriff in diesem „Wörterbuch“ lautet „eines“. Bekanntlich das erste Element der Zahlenreihe und als solches oder aber darüber hinaus ein theoretischer Begriff, der uns auch schon mehrmals untergekommen ist, so in der Form „eines als eines“: parallel bzw. konvertibel mit „seiend als seiend“. Auch am Schluß des letzten Abschnittes war die Rede von „einfach“ in einem wohl verwandten Sinn.
Hier unterscheidet Aristoteles zwei Bedeutungen: eines im Sinne von „symbebekotisch“, „akzidenziell“, „zustoßend“ - oder eines „an sich“.
Bei der ersten Bedeutung von „ein“ handelt es sich um die nicht notwendige Zusammenfügung von unterschiedlichen Bestimmungen (Wesenheit als spezifische Soseinsbestimmtheit – hier „Mensch“; konkret-existierender Mensch mit dem Namen „Koriskos“; Fähigkeiten oder Eigenschaften auf der Ebene von Charakter oder Kompetenz). Zu diesem Behufe wird der arme Koriskos zunächst einmal nach Strich und Faden zerlegt, ohne daß diese Zerlegung dann auch genetisch analysiert wird - etwa nach Natur und Kultur. Insgesamt machen die genannten Eigenschaften einen eher kulturellen Eindruck; nur die Wesenheit muß als natürlich gelten. (Bei den Kausalitäten unterscheidet Aristoteles die natürliche, die künstliche und darüber hinaus die zufällige) Auf die Wesenheit trifft ohnehin das Eine im Sinn von „an sich“ zu.
Der Abschnitt über das akzidenzielle Eine spielt auf die Akzidenzien überhaupt an und da stellt sich die Frage, ob die akzidenziellen Eigenschaften wirklich mit Notwendigkeit nichts zu tun haben. Mir scheint, daß bestimmten Wesenheiten bestimmte Eigenschaftsdimensionen notwendig zukommen – nur die jeweils auftretenden Eigenschaften sind zufällig: und zwar im Vergleich zur Wesenheit, nicht aber gegenüber dem konkreten Individuum. Menschen müssen so etwas wie „Charakter“ haben: und der fällt so aus oder so oder verändert sich vielleicht sogar. Oder ein physisches Ding muß an einer bestimmten Stelle farbig sein: die Farbe kann so sein oder so oder kann sich ändern. 

Walter Seitter


--

Sitzung vom 18. Februar 2015