τὸ μὲν οὖν αἰσθάνεσθαι ὅμοιον τῷ ... νοεῖν.

Das Wahrnehmen nun ist ähnlich dem ... vernünftigen Erfassen.

Aristoteles (De Anima III, 7: 431a)

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Freitag, 13. März 2015

In der Metaphysik lesen (1016b 8 – 11)

Das Kapitel über das Eine gehört insofern in die Ontologie, als die Einheit eine Eigenschaft ist, die jedem Seienden als solchem zukommt (also eine „Transzendentalie“: „ens et unum convertuntur“). Aristoteles fragt, wieso und inwieweit diese Eigenschaft verschiedenartigen Entitäten zukommt, und er beginnt bei solchen, bei denen es mit der Einheit nicht besonders gut aussieht. Erstes Beispiel: Verbindungen von Substanz mit Akzidenzien. Zweites Beispiel: Kontinuen mit Ausdehnung. Drittes Beispiel: mehrere Dinge, die nur das gemeinsam haben, dass sie aus demselben Material bestehen (oder gar auf einen einzigen Urstoff zurückgeführt werden können). Viertes Beispiel: viele Dinge, die immerhin derselben Gattung angehören (etwa Lebewesen). Fünftes Beispiel: Dinge, die durch ein einheitliches Wesen zusammengeh alten werden. Meint er damit – analog zur Gattung – alle Dinge, die derselben Art angehören oder doch eher das Einzelding, das durch ein bestimmtes Was-Sein bestimmt ist? Diese Einheit wäre zweifellos die selbstverständlichste, aber auch die stärkste von allen bisher erwähnten. Er meint wohl diese.
Denn der nächste Typ von Einheit deckt sich sachlich mit dem zuerst genannten: der Verbund aus Substanz und Akzidenzien. Dem wird dann wieder die reine Wesenseinheit gegenübergestellt (doch differenziert nach Kontinuität und Art). Und erst jetzt die Gegenbegriffe zum Einen: die Tätigkeit des Zählens und das Wort „pleio“: mehrere.
Mit der Tätigkeit des Zählens schließt Aristoteles die Reihe der subjektiven kognitiven Leistungen ab, die den jeweiligen Objekten zugeordnet sind:

aisthesis:                                   hyle

logos legon, noesis noousa:                  to ti en einai

arithmein:                                   pleio                     


PS.: Vortrag
Aristotle’s Rejection of Virtue Ethics
Prof. Terence Irwin (Oxford)
Montag, 16. März. 2015, 18 Uhr
NIG, 2. Stock, Hörsaal 2G
Universitätsstr. 7
1010 Wien


Walter Seitter


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Sitzung vom 4. März 2015