τὸ μὲν οὖν αἰσθάνεσθαι ὅμοιον τῷ ... νοεῖν.

Das Wahrnehmen nun ist ähnlich dem ... vernünftigen Erfassen.

Aristoteles (De Anima III, 7: 431a)

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Montag, 27. November 2017

Kommentar zu Buch VII.6

von Wolfgang Koch


Aristoteles' schwieriger Begriff des TEE (das Wesen-Was, das Wesen der Sache) führt zu einem logischen Regressproblem. Ist das TEE selbst ein Wesen, wenn man es von seinem Ding abtrennen kann? Besitzt es ein substanzielles Sein wie Platons Idee? Aristoteles lässt die Antwort darauf offen und macht damit das TEE zu einem schwachen Kandidaten für das Substrat. Man könnte auch sagen, ja: das Wesen-Was eines Elefanten existiert durchaus auch unabhängig von seiner Klassifikation als indisch oder afrikanisch, unabhängig von seinem Eigenschaften wild oder zahm zu sein, die Definitionsleistung des TEE, die das Ding mit einer Kategorie aus der wissenschaftlichen Systematik und mit Eigenschaften aus den Seinsmodalitäten verbindet, führt ein begriffliches Eigenleben jenseits der konkreten Tierwelt, ohne aber aus einem Elefanten je mehr als ein abstraktes Elefant-Sein machen zu können. Was sich hier schlagend einstellt, ist das Bewusstsein, dass es die Sprache ist, die das Substrat zum Ausdruck bringt, nicht die Person, die darum ringt. (WK)

Meines Erachtens führt der Begriff "Wesen" nicht zu einem Regressproblem, sondern eröffnet  mehrere Denkmöglichkeiten. Drei davon sind die sokratische, die ihn erfunden hat, die platonische, die aristotelische. Obwohl es sich um eine sehr theoretische Frage handelt, hat sie bei Sokrates und Platon direkt politische Gründe. Die werden von Aristoteles eher verschwiegen. Aber seine strikte Trennung zwischen theoretischen und praktischen Wissenschaften wird ausgerechnet in der Ersten Philosophie brüchig, wie ich behaupte. Die Frage ist, ob die Unterscheidung zwischen Wesensbestimmung und Zusatzbestimmung plausibel ist. Ob es also in den Dingen - egal in welchen - so eine Hierarchie gibt. (WS)


W. Koch