τὸ μὲν οὖν αἰσθάνεσθαι ὅμοιον τῷ ... νοεῖν.

Das Wahrnehmen nun ist ähnlich dem ... vernünftigen Erfassen.

Aristoteles (De Anima III, 7: 431a)

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Freitag, 1. November 2013

In der Metaphysik lesen (1000b ff.)

Eingangs machen wir uns erneut klar, daß es uns bei der Übersetzungsarbeit während des Lesens nicht um wortwörtliche Übertragung geht, sondern bei „Ursache/Prinzip“ darum, die Begriffssuche aufzufüllen zur Spektrumserweiterung, etwa mit „Element“, „Bestandteil“, „Material“, „Faktor“ oder „Motiv“. Es geht insbesondere um ein umgangssprachliches Verstehen und Verständlich-machen.
Um dem Anspruch, die Metaphysik als Buch für viele Superlative zu verwenden, zu folgen, wird die Behauptung aufgeworfen, umgangssprachliches Philosophieren sei das seriöseste Philosophieren, denn der Redner wisse, was er sage und werde für die Adressaten verständlich. In einem Exkurs über „Pop-Philosophie“ werden Markus Gabriel, Peter Sloterdijk und Richard David Precht genannt und gewürdigt.
Anhand der Phrase „Liberalismus 'von unten'“ stellen wir die Wichtigkeit der Reihenfolge für die Rhetorik fest. Unsere seriös rhetorische Fragestellung lautet, welche Redensarten gutes Philosophieren ergeben.
Wir lesen 1000b, wo sich Aristoteles gegen Empedokles´ Annahme stellt, daß außer den Elementen Wasser, Feuer, Erde und Luft alles vergänglich sei, denn für Aristoteles ist auch die Formursache unvergänglich: Eichen, die Eichen waren, sind Eichen, die Eichen sein werden. Die Fortpflanzung der Eiche stellt die Eichenheit sicher. Wir stellen die Frage nach der unvergänglichen Eichenheit – Philosophieren heißt jetzt … die richtige Formulierung zu finden. „Eichenheit“ ist ein Begriff – liefert Sprache die Realität neben den Eichen? Dies wäre eine radikal konstruktivistische Annahme: die Eiche gibt es nur deswegen, weil wir das Wort Eiche kennen. Dem entgegengesetzt ist die Notwendigkeit des Wortes „Eiche“, um sie zu benennen und uns über sie verständigen zu können.
Wir fragen nun nach der Attraktion der Unvergänglichkeit, die für Aristoteles eine hochstehende, geschätzte und letztlich erwünschte Qualität zu sein scheint. Wenn alle Formursachen unvergänglich sein sollen, muß die Unvergänglichkeit selbst ein wichtiger Faktor für Aristoteles sein. Auch die Götter sind unsterblich. Unvergänglichkeit besitzt eine Stabilität von Eigenschaften und ein reproduktives Element. Zuguterletzt aber besitzt die Eichenheit als unvergängliche Formursache mehr Seiendheit, wogegen das Vergängliche zum Nicht-seienden gerät.

Gesche Heumann