τὸ μὲν οὖν αἰσθάνεσθαι ὅμοιον τῷ ... νοεῖν.

Das Wahrnehmen nun ist ähnlich dem ... vernünftigen Erfassen.

Aristoteles (De Anima III, 7: 431a)

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Donnerstag, 6. März 2014

In der Metaphysik lesen (1005a 11-35)


In einem großen Exkurs ziehen wir Vergleiche zwischen

der aristotelischen Dreigliederung der Wissenschaften in die theoretischen, die poietischen, die praktischen

der kantischen Unterscheidung zwischen theoretischer Vernunft, Urteilskraft, praktischer Vernunft

der lacanischen Unterscheidung der vier Diskurse: Herrschaft, Wissen, Hysterie, „Analyse“. Die Einstellung „Wissen“ zeichnet sich durch „Ausschaltung“ des Subjekts aus – aber auch die ist eine Schaltung und folglich eine Einstellung des Subjekts: eben die „wissenschaftliche“.

Der technologisch-psychologische Begriff der „Einstellung“ könnte geeignet sein, die jeweilige Gegebenheit von Wissenschafts-, Vernunft-, Diskurssorten zu bezeichnen; oder aber „Haltung“ bzw. für die Änderung „Schaltung“. Aristoteles suggeriert den Begriff „tropos“ (Wendung) für die Qualifizierung zum Philosophen und Foucault verwendet den verwandten Begriff „conversion“ für die Qualifizierung zum Aussagenanalytiker, den wir als „ontologischen“ bezeichnet haben. Es geht um Subjektqualifizierungen. In der Nähe dieses Begriffes hat Foucault von Arbeit des Subjekts an sich, von Subjekttransformationen und sogar von Subjektopferungen – unter dem Anspruch der Wahrheit - gesprochen (damit dem wörtlichen Sinn von „Subjekt“ nahekommend).
In Foucaults Archäologie des Wissens kann man eine „ontologische“ Sprachanalyse sehen, insofern da Eigentümlichkeiten der „Ontologie“ im Sinne von Buch IV auf den Gegenstandsbereich der Sprache, genauer gesagt auf den Praxisbereich des Kundgebens angewandt werden: „angewandte Ontologie“. Bei Aristoteles hingegen erscheint die „reine Ontologie“ als selbständige Ausarbeitung der vielen Bestimmungen, die dem Seienden als Seiendem zukommen: vom Wesen über alle möglichen Seinsmodalitäten bis zu deren Negationen. Im Mittelalter sind besonders die „Transzendentalien“ dazugekommen, mit denen das Seiende konvertiert werden kann: unum, verum, bonum, pulchrum.

In der Neuzeit konzentriert sich die ontologische Fragestellung auf die Existenz als solche, das heißt die Existenz in der Abhebung von der Nicht-Existenz, die Existenz in allen Nuancen der Fast-Nicht-Existenz. So bei Foucault, bei dem aber auch ein Netz von lateralen Beziehungen dazukommt, wodurch die Kundgabe dann doch wieder entschieden „positiviert“ wird.
Im 3. Kapitel kommt Aristoteles auf die „Axiome“ zu sprechen. Dabei handelt es sich um Sätze, die vom Seienden als Seienden gelten, folglich von allen Seienden. Das heißt es handelt sich hier um eine weitere Ausprägung oder Modalität des Seins nach den vielen anderen bereits genannten. Dennoch liegt sie auf einer anderen Ebene: Axiome sind nämlich Sätze und nicht Sachverhalte oder Sachaspekte wie die bisher genannten. Ursachen sind Sachen, die verursachen. Prinzipien sind entweder Ursachen oder aber Sätze. Die Axiome sind eine Teilmenge innerhalb der Prinzipien-Sätze. Mit den Axiomen springt die Ontologie direkt in die Logik über – bleibt aber Ontologie. 


Walter Seitter


Sitzung vom 5. März 2014