Lesung vom 7. Jänner 2026
In dem hier verlesenen Abschnitt, der vom Ende des 2. Buches an die ersten 3 Seiten des 3. Buches umfasst, geht es noch einmal um das Bewirken und Erleiden von Gerüchen und anderen Wahrnehmungsgattungen. Dann kommt die überraschende Feststellung, das Riechen nichts bewirken kann, wenn es keinen Geruchssinn gibt, der den Geruch erleiden kann. Es muss ein Leidensorgan geben, auf das das Wahrzunehmende wirken kann. Denn manche Wahrnehmungsgegenstände, wie etwa Licht, Schall oder Geruch, wirken nicht direkt auf die Körper ein, sondern auf das, was sich im Körper befindet, wie die Luft im Ohr beim Schall. Aber die tastbaren Gegenstände wirken auf die Körper ein. Wohl deswegen weil die tastbaren Gegenstände auch Körper sind, die durch Berührung andere Körper bewegen können. Das stellt Aristoteles besonders ausführlich in „Werden und Vergehen“ dar, wo die Bewegung der beseelten und unbeseelten Körper durch Berührung oder Kontakt ausführlich besprochen wird. Dort, im 6. Kapitel, ist das Bewegen ein größerer Bereich als das Bewirken, aber hier steht das Erleiden dem Bewirken gegenüber.
Aristoteles fragt sich weiter, ob nicht auch die nicht-tastbaren Wahrnehmungsgegenstände fähig sind Geruch oder Schall zu erleiden, selbst wenn sie so unbestimmt oder unbeständig sind wie die Luft. Die Luft riecht nämlich, als hätte sie etwas erlitten, oder ist die Luft erst wahrnehmbar, wenn sie schnell affiziert worden ist.
Das III. Buch
Zuerst stellt Aristoteles fest, das es neben den fünf Wahrnehmungsgattungen, Sehen, Hören Riechen, Schmecken und Tasten, keine weiteren geben kann, da uns dafür die Wahrnehmungsorgane fehlen würden. Alles was wir berühren ist durch den Tastsinn wahrnehmbar und alles was wir durch ein Dazwischenliegendes wahrnehmen, ist durch die einfachen Körper wie Luft oder Wasser wahrnehmbar. Es folgt die Überlegung zu den Entsprechung der einfachen Körper wie Luft zu den Wahrnehmungsgattungen wie Farbe oder Schall, wo jeweils eigene Wahrnehmungsorgane zur Verfügung stehen müssen. Dabei müssen die wahrnehmbaren Gegenstände den Eigenschaften der Wahrnehmungsorgane entsprechen, wobei es sich eigentlich nur um zwei einfache Körper des Dazwischenliegenden handelt, Luft und Wasser, das Auge besteht aus Wasser und das Ohr aus Luft. Feuer ist allen gemeinsam, denn ohne Wärme läßt sich nichts wahrnehmen. Erde kommt keinem zu oder am ehesten mit dem Tastsinn vermischt.
Es folgt die Feststellung, das alle Wahrnehmungsgattungen von den Lebewesen besessen werden, wenn sie nicht unvollkommen oder verstümmelt sind (peperomenon) und er führt ein Beispiel an, das des Maulwurfs, der unter Haut noch die Augen besitzt. So dürfte es, der hypothetische Charakter ist auffällig, keine weiteren einfachen Körper geben und keine Affektion, die einem hiesigen Körper zukommt, sodass keine Wahrnehmungsgattung fehlen dürfte. Vielleicht eine Ahnung, dass es mehr geben könnte, wie die Wahrnehmung von Magnetismus.
Aber zurück zum apodiktischen Aristoteles, der in der Folge feststellt, das es kein eigentümliches Wahrnehmungsorgan für gemeinsame Wahrnehmungsgegenstände geben kann. Solche Gegenstände wie Bewegung, Stillstand, Gestalt, Ausdehnung, Anzahl und Einheit, werden auf akzidentelle Weise wahrgenommen. Wenn Bewegung wahrgenommen wird, wird auch Gestalt und Ausdehnung wahrgenommen und die Negation von Bewegung. Weil die die gemeinsame Wahrnehmungsgegenstände Mischungen oder Privationen sind, kann es keine eigene Wahrnehmung dafür geben, es wäre so wie wenn wir durch den Sehsinn das Süße wahrnehmen würden. Dann kommt ein Beispiel, wie wir gemeinsame Wahrnehmungsgegenstände wahrnehmen können, nämlich dass wir den Sohn des Kleon nicht deswegen wahrnehmen, weil er Sohn des Kleon ist , sondern weil er weiß ist und diesem Weißen kommt akzidentell zu der Sohn des Kleon zu sein. Von den gemeinsamen Gegenständen haben wir bereits eine gemeinsame Wahrnehmung die nicht akzidentell ist.
Dabei ist das Weiße eine Wahrnehmung und der Sohn des Kleon ein Wiedererkennen aus der Erinnerung, so ganz überzeugt mit die holistische Erklärung nicht.
Karl Bruckschwaiger
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