τὸ μὲν οὖν αἰσθάνεσθαι ὅμοιον τῷ φάναι μόνον καὶ νοεῖν.

Das Wahrnehmen also ist ähnlich dem bloßen Aussagen und dem vernünftigen Erfassen.

Aristoteles (De Anima III, 7: 431a)

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Mittwoch, 11. Februar 2026

De Anima - Peri psyches lesen 33 ( 426a 17 - 427a 17)

Protokoll vom 4. Februar



In unserem Textabschnitt verbinden sich einfachhin plausible  oder sagen wir deskriptive Aussagen zur Wahrnehmung mit solchen, die die  „ontologische“  Begrifflichkeit einführen - aber auch die nicht immer in einer schon bekannten Weise.

Ich will  die chaotisch-aporetische Diskussion, die wir am Mittwoch geführt haben, nicht nachbilden.  Sondern eine eigene Problematisierung  entwickeln - wie wir angedeutet haben, wäre es erwünscht, wenn alle Teilnehmer  ebenfalls ein rational sein wollendes Zusatz-  oder Gegenprotokoll verfassen

Im ersten Satz heißt es, die energeia des Wahrgenommenen (des Wahrnehmbaren) (W’ ) und die energeia der Wahrnehmung  (W) sei ein und dieselbe. Dieser Satz möchte etwas sagen,  was nicht selbstverständlich ist, denn W’ ist nicht gleich W.  Daher sagt denn auch Aristoteles sofort dazu, daß ihr Sein nicht dasselbe ist. Es handelt sich ja um die beiden Pole der Wahrnehmungskonstellation. die auch ein räumliches Auseinander ist. 

Inwiefern kann die energeia der beiden ein und dieselbe sein? Dieses „selbe“ muß irgendwie noch  prozess- oder ereignishafter  sein als W’ und W (allerdings ist W von Haus aus prozesshaft).

Sie muß etwas anderes sein als  ihr „Sein“.  Diesen Infinitiv verwendet Aristoteles nicht sehr häufig und wohl nicht mit einer begrifflichen Festlegung (wie etwa „das Seiende“).


Das Sein von W’ und von W - das ist schlicht und einfach W’  und  W. Die jeweils für sich - ?

Die energeia hingegen ist eine Steigerung sowohl von W wie auch von W’ und in dieser Steigerung  entsteht  „ein und dieselbe“  Steigerung - also Werdung, Aktualisierung, Prozessualisierung.  
Allerdings auch Erhaltung und Vernichtung.  Alle -ung-Entwicklungen, die positiven wie die negativen, schalten  die beiden Pole   - zu einer einzigen Realisierung oder eben Irrealisierung zusammen.


Solange die beiden nur potenziell sind, geschieht diese Realisierung, die auch eine Gleichschaltung, ja eine Verschmelzung ist,  nicht (siehe 426 19).

Aristoteles erwähnt nun wie so oft die Ansichten seiner Vorläufer, der sogenannten Vorsokratiker - hier aber tut er es, um seine eigene Denkung in Sachen Wahrnehmung zu klären:  jene sagten, ohne Sehen gäbe es kein Schwarz und Weiß, ohne Schmecktätigkeit keine Geschmacksqualitäten.

Kommt uns diese Ansicht nicht wie ein radikaler Subjektivismus vor, wie er  in der europäischen Neuzeit öfter vertreten worden ist, wonach die Sinnesqualitäten weniger von den Objekten herrühren als von den Sinnesorganen?

Aristoteles stimmt dieser Ansicht zu - allerdings nur zur Hälfte.  Diese Ansicht treffe zu, sofern sie sich auf die  Aktualisierung bezieht - da kommt sie sogar einer Tautologie gleich.  Aber es gibt auch die andere Ebene der Potenzialität.  Jene Ansicht vereinfache eine Dualität zu einer Simplizität.

Die Dualität aus Akt und Potenz ist eine der ungefähr vier Dimensionen der Ontologie, die in dem „Metaphysik“ genannten Buch ausgebreitet (und bei mir besser geordnet) werden.  

Die anderen Dimensionen sind die Differenz aus Wesen und Akzidenzien,  die Differenz aus  Einem und Vielem,  die Differenz von Wahr und Falsch.   

Zum Schluß sieht sich Aristoteles gezwungen, auch die Qualitäten „gut“ und „schön“  zu berücksichtigen  - aber die hat er nicht mehr systematisch eingefügt.

Für die Selbigkeit der Aktualisierung von Wahrnehmungsobjekt und Wahrnehmungsvorgang  findet Aristoteles in den nächsten Zeilen andere Formulierungen,  die vielleicht etwas ansprechender sind und die sogar an die erwähnte Wertungsdimension rühren.

Die Stimme und das Gehör sind gewissermaßen eins - eben in der Aktualisierung. Die Stimme selber ist eine Zusammenstimmung und folglich ein Verhältnis. Verhältnis im Sinne von Teil einer Proportion .


Sowohl Stimme wie auch Hören sind Verhältnisse und sie verhalten sich zueinander proportional. Die Sinneswahrnehmung wird von Aristoteles direkt als ein „logos“ benannt,  weil dieses Wort eben auch dieses bezeichnet.  Ganz anders der berühmteste der modernen Subjektivisten   (Kant) - der vom „Chaos der Empfindungen“  sprach.

Das Zuviel wie auch das Zuwenig erweisen sich als schwächere und sogar schädliche Fälle.  Den positiven Gegenpol auf dieser Ebene bezeichnet Aristoteles auch hier mit dem einschlägigen Begriff „hedea“  - angenehme oder lustvolle  Dinge (426b 5f.)

Wir befinden uns nicht irgendwo, wo „alles egal“ ist - sondern -  in den Anfängen des Hedonismus!

Aristoteles schreibt nun der Wahrnehmung eine weitere Tätigkeit zu, die er „unterscheiden“, „beurteilen“ nennt.  Krinein - daher unser modernes Wort  „kritisieren“. Das Sehen unterscheidet Weiß und Schwarz,  das Schmecken Süß und Bitter. 
Es unterscheidet aber auch die weit voneinander entfernten Qualitäten Weiß und Süß - auch diese Unterscheidung geht von einer einheitlichen Instanz aus - die nicht bei  einem einzigen Sinnesorgan liegt. 

Eine übergeordnete und übergreifende Instanz - und darum ordnet Aristoteles der Wahrnehmungstätigkeit zwei weitere Tätigkeiten zu, die gewissermaßen auf einer Metaebene liegen - wie das ja schon bei Sehen des Sehens der Fall war. 

Er bündelt drei unterscheidbare Tätigkeiten, die miteinander kooperieren müssen, um derartige Zusammenordnungen kognitiv bewältigen zu können: er nimmt eine einheitliche Instanz an, die wahrnimmt, denkt und sagt  (426b 22).

Wie wir am Mittwoch festgestellt haben,  kann diese Instanz nicht bei einer der Sinneswahrnehmungen und schon gar nicht bei einem Sinnesorgan liegen - sondern eher beim Lebewesen selber , das zu allen diesen Tätigkeiten befähigt ist.               


Unser Hermesblog-Motto (431a 8)  behauptet eine Ähnlichkeit zwischen den Tätigkeiten Wahrnehmen,  Denken, Sagen.  Unsere jetzige Stelle behauptet, daß die drei Tätigkeiten zusammen wirken müssen, damit  bestimmte Leistungen der angegebenen Art erbracht werden können. Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Höchstleistungen, zu denen nur sogenannte Genies fähig sind, sondern um Koordinationen in komplexen Lagen. 

Etwa in solchen, in denen es um die Unterscheidung zwischen dem Guten und dem Schlechten geht, die jeweils in einem bestimmten Zeitpunkt getroffen werden muß - in einem Jetzt des Unterscheidens und der gegebenen Sache. 

Mit dem Guten und dem Schlechten wird die vorherige  Unterscheidung zwischen dem Angenehmen und dem Schädlichen in einen größeren Horizont gerückt.

Insofern kann es doch um Hochleistungen gehen, wie sie von jedem Menschen zu fordern sind.

Aristoteles skizziert eine psychologische Strukturanalyse der Wahrnehmung, die auch die Möglichkeit pathologischer Entwicklungen  einbezieht.

Zuletzt scheint Aristoteles einen Rückzieher zu machen,  was die Einheitlichkeit der einheitlichen
 Instanz betrifft.  Die Beurteilung kann zumindest vorläufig auf zwei Instanzen aufgeteilt werden - etwa im Sinne von Diskussion, Beratung, Dissens.  Wenn man sich nicht einmal auf einen Gegenstand einigen kann - das Bittere oder das Weiße? - bleibt man blockiert ( siehe 426b 31).

Dann fällt man unter das Niveau des wahrnehmenden Lebewesens.

Die Empfindlichkeit und Komplexität des menschlichen Wahrnehmungsvermögens macht es störanfällig - Aristoteles spricht von Auflösung, ja Zerstörung.  Durch irgendwelche „Übertreibungen“ (siehe  426b 6).  Spaltung der persönlichen Identität. Wahnsinn - auch als lebbare Wahnkultur? Schizothymie? Bipolare Störung?

Krasse Fehlverhalten können sich einstellen und Folgen haben, die „dann“ in Tragödien dargestellt werden - zum Beispiel in der „Medea“ von Euripides, die wiederum „dann" von Aristoteles in der Poetik kritisch betrachtet und beurteilt wird (1453 b  29). 

Später von  Philosophen und Philologen  gelesen und von Dramatikern neuerlich auf die Bühne gebracht. So in Wien von Franz Grillparzer im Jahr 1821.    

In  Wien    im Jahr 2026   von Philosophen und Psychoanalytikern auf einem Symposion studiert.                                                                                                                                                                                                                             

Mittwoch, 4. Februar 2026

De Anima - Peri Psyches lesen 32 (425a 28 – 426a 17)

 

De anima 425a 28 – 426a 17


Die Sitzung wird von Karl Bruckschwaiger mit der Verlesung des Protokolls eröffnet und es kommt schnell zu einer lebhaften Diskussion.

Es geht dabei um das Ende seines Protokolls in dem er das Beispiel von Aristoteles zur Frage der Wahrnehmung gemeinsamer Wahrnehmungsgegenstände zitiert, „dass wir den Sohn des Kleon nicht deswegen wahrnehmen, weil er Sohn des Kleon ist , sondern weil er weiß ist und diesem Weißen kommt akzidentell zu der Sohn des Kleon zu sein. Von den gemeinsamen Gegenständen haben wir bereits eine gemeinsame Wahrnehmung, die nicht akzidentell ist.“ und Karl Bruckschweiger meint nun:

„Dabei ist das Weiße eine Wahrnehmung und der Sohn des Kleon ein Wiedererkennen aus der Erinnerung, so ganz überzeugt mit die holistische Erklärung nicht“

Aristoteles erklärt das im weiteren Verlauf des Textes so, dass wir von den gemeinsamen Wahrnehmungsgegenständen bereits eine gemeinsame Wahrnehmung haben, die nicht akzidentell ist und daher die verschiedenen Wahrnehmungsgattungen selbst die eigentümlichen Gegenstände der jeweils anderen (Wahrnehmungsgattungen) nur auf akzidentelle Weise wahrnehmen, vor allem wenn die Wahrnehmung zugleich stattfindet und denselben Gegenstand betrifft. Anscheinend leistet die gemeinsame Wahrnehmung etwas, das zusätzlichen Sinn ergibt.

Aber irgendwie besteht der Verdacht bei Sofia Panteliadou, Karl Bruckschweiger und Manfred Russo, dass hier eine kognitive Mehrleistung erforderlich wäre, um den Sohn des Kleon zu identifizieren, die über das akzidentelle weiß hinausgeht. Walter Seitter versucht aber klarzumachen, dass dies bei Aristoteles eben alles nur als Wahrnehmung gilt.

Ein anderes Beispiel, bei dem mehrere Wahrnehmungsorgane zugleich denselben Gegenstand akzidentell wahrnehmen, wäre, dass die Galle bitter und gelb ist. Das bringt nun eine kleine assoziative Erweiterung durch Sofia Panteliadou und Walter Seitter die von der Galle zur Temperamentenlehre führt. Die gelbe Galle betrifft den Choleriker, die schwarze Galle den Melancholiker.

Eine andere Frage Aristoteles ist, warum wir überhaupt mehrere Wahrnehmungsgattungen haben, und er vermutet deshalb, damit uns die gemeinsamen und begleitenden Wahrnehmungsobjekte wie Bewegung, Ausdehnung und Anzahl weniger entgehen können. Da die gemeinsamen Wahrnehmungsgegenstände auch in einem anderen Wahrnehmungssinn vorkommen, wird auch klar, dass jeder davon auch etwas anderes ist.

3.2.

Aristoteles erhöht nun die Komplexität durch die Einziehung einer Art von Metaebene, indem er sagt, dass wir wahrnehmen, dass wir sehen und hören und so entweder mit dem Gesichtssinn wahrnehmen, dass wir sehen oder eben mit einem anderen Sinn. Das ergibt aber ein Problem, denn dann würde derselbe Sinn das Sehen als auch die zugrundeliegende Farbe betreffen. Zwei Wahrnehmungen beziehen sich dann auf das Sehen oder sich selbst, wobei letzteres zu einem unendlichen Regress führen würde. Mit dem Gesichtssinn wahrnehmen bedeutet Sehen und Farbe oder das, was die Farbe hat und wenn man das Sehende sieht, hat auch dieses Farbe. Damit wird verständlich, dass „Mit dem Gesichtssinn wahrnehmen“ mehr als eine Bedeutung annehmen kann. Denn selbst wenn wir nicht sehen, unterscheiden wir Dunkelheit und Licht. Auch das Sehende ist in gewisser Weise gefärbt, weil die Wahrnehmungsorgane den Gegenstand ohne Materie wahrnehmen können, daher verbleiben diese Gegenstände als Vorstellungen in den Wahrnehmungsorganen. Resümieren wir mit Walter Seitter, der von drei Stufen des Sehens spricht: 1. Farbe, 2. Dunkel und Licht, 3. Sehen (Reflexion der Wahrnehmung, Sehen, dass man sieht)

Das wirkliche Einwirken des Wahrnehmungsobjekts und die wirkliche Wahrnehmung sind dasselbe, dem Sein nach aber verschieden. Aristoteles will damit den Unterschied von Wirklichkeit und Möglichkeit der Wahrnehmung durch Beispiele demonstrieren. Es ist möglich, dass jemand Gehör hat und nicht hört und dass etwas Schall hat und nicht schallt. Hier kommen Möglichkeiten nicht zur Wirklichkeit. Nur wenn jemand wirklich hört oder etwas wirklich schallt, wird es verwirklicht und man kann von einem Hör-Akt oder Schall-Akt sprechen, zugleich entstehen das wirkliche Gehör und der wirkliche Schall, auch als Hörung oder Schallung zu bezeichnen, weil hier verwirklichte Vermögen durch ein Tun vorliegen. Die Endung „ung“ deutet in diesem Zusammenhang auf eine Tätigkeit oder einen Vorgang hin (Walter Seitter: „Ung-Wörter und im Griechischen „ σις“- Wörter) Tätigkeit und Bewegung finden im Leidenden und nicht im Tätigen statt.

Bei einigen Sinnen gibt es Begriffe (wie Schall- oder Hör-akt) aber nicht bei allen. Beim Sehsinn wird die Wirklichkeit Sehen (Sehung) genannt, für die Einwirkung der Farbe gibt es keinen Namen, Beim Geschmackssinn wird die Wirklichkeit des Vermögens Schmecken (Schmeckung) genannt, die Einwirkung des Geschmacks hat keinen Namen.

Das Wirklichkeit des Wahrnehmungsobjekts und die das Wahrnehmungsvermögens ist eine einzige, aber dem Sein nach verschieden, daher muss beides gemeinsam bestehen oder vergehen.

Aristoteles kritisiert auch die früheren Naturphilosophen, die meinten, dass es ohne Sehen keine Farbe und ohne Schmecken keinen Geschmack gebe, wobei sie zwar im Falle der Verwirklichung recht haben, im Falle der Potentialität aber nicht.

Nun wandelt Aristoteles diesen Sachverhalt mit weiteren Beispielen ab. Wenn der Zusammenklang ein Ton ist und Ton und Gehör dasselbe, aber auch verschieden sind, der Zusammenklang aber eine Proportion ist, so muss auch das Gehör eine Art von Proportion sein. Daher ruiniert das Übermäßige das Gehör (zu hoch oder zu tief) und den Geschmack. Bei den Farben verdirbt das zu helle oder zu dunkle den Gesichtssinn, ebenso zu starke Gerüche den Geruchssinn. Weil die Wahrnehmung eine Proportion ist, ist es angenehm, wenn die Wahrnehmungsgegenstände in ein bestimmtes Verhältnis gebracht werden, wie das Hohe, das Süße oder Salzige, Beim Tastsinn das Warme und Kalte. Übermäßige Wahrnehmungsobjekte schmerzen und können Verderben bereiten.

Jede Sinneswahrnehmung hat ihren Wahrnehmungsgegenstand, der sich im jeweiligen Sinnesorgan befindet und unterscheidet wie z.B. der Gesichtssinn weiß oder schwarz, der Geschmackssinn süß oder bitter und alle weiteren Sinneswahrnehmungen.

Da stellt nun Aristoteles eine wichtige Frage: Da wir alles Wahrnehmbare voneinander unterscheiden, wie etwa das Weiße vom Süßen, wie nehmen wir wahr, dass sie sich unterscheiden? Wohl durch Wahrnehmung, weil auch das eine Wahrnehmung ist. Damit wird auch klar, dass das Fleisch nicht das letzte Sinnesorgan sein kann. Dann müsste ja das beurteilende Organ sein Urteil durch Berührung vornehmen und eine Unterscheidung treffen können. Ende 426a 17

Sonntag, 18. Januar 2026

De Anima / Peri psyches lesen – 31 ( 424b, 6 – 425a, 28)


Lesung vom 7. Jänner 2026


In dem hier verlesenen Abschnitt, der vom Ende des 2. Buches an die ersten 3 Seiten des 3. Buches umfasst, geht es noch einmal um das Bewirken und Erleiden von Gerüchen und anderen Wahrnehmungsgattungen. Dann kommt die überraschende Feststellung, das Riechen nichts bewirken kann, wenn es keinen Geruchssinn gibt, der den Geruch erleiden kann. Es muss ein Leidensorgan geben, auf das das Wahrzunehmende wirken kann. Denn manche Wahrnehmungsgegenstände, wie etwa Licht, Schall oder Geruch, wirken nicht direkt auf die Körper ein, sondern auf das, was sich im Körper befindet, wie die Luft im Ohr beim Schall. Aber die tastbaren Gegenstände wirken auf die Körper ein. Wohl deswegen weil die tastbaren Gegenstände auch Körper sind, die durch Berührung andere Körper bewegen können. Das stellt Aristoteles besonders ausführlich in „Werden und Vergehen“ dar, wo die Bewegung der beseelten und unbeseelten Körper durch Berührung oder Kontakt ausführlich besprochen wird. Dort, im 6. Kapitel, ist das Bewegen ein größerer Bereich als das Bewirken, aber hier steht das Erleiden dem Bewirken gegenüber.

Aristoteles fragt sich weiter, ob nicht auch die nicht-tastbaren Wahrnehmungsgegenstände fähig sind Geruch oder Schall zu erleiden, selbst wenn sie so unbestimmt oder unbeständig sind wie die Luft. Die Luft riecht nämlich, als hätte sie etwas erlitten, oder ist die Luft erst wahrnehmbar, wenn sie schnell affiziert worden ist.


Das III. Buch


Zuerst stellt Aristoteles fest, das es neben den fünf Wahrnehmungsgattungen, Sehen, Hören Riechen, Schmecken und Tasten, keine weiteren geben kann, da uns dafür die Wahrnehmungsorgane fehlen würden. Alles was wir berühren ist durch den Tastsinn wahrnehmbar und alles was wir durch ein Dazwischenliegendes wahrnehmen, ist durch die einfachen Körper wie Luft oder Wasser wahrnehmbar. Es folgt die Überlegung zu den Entsprechung der einfachen Körper wie Luft zu den Wahrnehmungsgattungen wie Farbe oder Schall, wo jeweils eigene Wahrnehmungsorgane zur Verfügung stehen müssen. Dabei müssen die wahrnehmbaren Gegenstände den Eigenschaften der Wahrnehmungsorgane entsprechen, wobei es sich eigentlich nur um zwei einfache Körper des Dazwischenliegenden handelt, Luft und Wasser, das Auge besteht aus Wasser und das Ohr aus Luft. Feuer ist allen gemeinsam, denn ohne Wärme läßt sich nichts wahrnehmen. Erde kommt keinem zu oder am ehesten mit dem Tastsinn vermischt.

Es folgt die Feststellung, das alle Wahrnehmungsgattungen von den Lebewesen besessen werden, wenn sie nicht unvollkommen oder verstümmelt sind (peperomenon) und er führt ein Beispiel an, das des Maulwurfs, der unter Haut noch die Augen besitzt. So dürfte es, der hypothetische Charakter ist auffällig, keine weiteren einfachen Körper geben und keine Affektion, die einem hiesigen Körper zukommt, sodass keine Wahrnehmungsgattung fehlen dürfte. Vielleicht eine Ahnung, dass es mehr geben könnte, wie die Wahrnehmung von Magnetismus.

Aber zurück zum apodiktischen Aristoteles, der in der Folge feststellt, das es kein eigentümliches Wahrnehmungsorgan für gemeinsame Wahrnehmungsgegenstände geben kann. Solche Gegenstände wie Bewegung, Stillstand, Gestalt, Ausdehnung, Anzahl und Einheit, werden auf akzidentelle Weise wahrgenommen. Wenn Bewegung wahrgenommen wird, wird auch Gestalt und Ausdehnung wahrgenommen und die Negation von Bewegung. Weil die die gemeinsame Wahrnehmungsgegenstände Mischungen oder Privationen sind, kann es keine eigene Wahrnehmung dafür geben, es wäre so wie wenn wir durch den Sehsinn das Süße wahrnehmen würden. Dann kommt ein Beispiel, wie wir gemeinsame Wahrnehmungsgegenstände wahrnehmen können, nämlich dass wir den Sohn des Kleon nicht deswegen wahrnehmen, weil er Sohn des Kleon ist , sondern weil er weiß ist und diesem Weißen kommt akzidentell zu der Sohn des Kleon zu sein. Von den gemeinsamen Gegenständen haben wir bereits eine gemeinsame Wahrnehmung die nicht akzidentell ist.

Dabei ist das Weiße eine Wahrnehmung und der Sohn des Kleon ein Wiedererkennen aus der Erinnerung, so ganz überzeugt mit die holistische Erklärung nicht.


Karl Bruckschwaiger


Dienstag, 6. Januar 2026

De Anima / Peri psyches lesen 30 – (423b 7 - 424b 5)

 

Protokoll des Aristoteles-Seminars vom 10. Dezember 2025 


Sofia Panteliadou eröffnete das Seminar mit der Wiederholung des zehnten Kapitels, in welchem Aristoteles die Wahrnehmung, besonders den Geschmack- und Tastsinn, genauer beschreibt. Geschmack sei nicht durch ein Medium wahrnehmbar, da er direkt mit dem Tastsinn verbunden ist. „Was man schmecken kann, kann man in gewissem Sinn auch tasten.“, schrieb der bekannte Grieche, wahrscheinlich beim Essen. Der Geschmack, welcher am Schmeckbarem haftet, sei im Feuchten eingebettet und Geschmackswahrnehmung kann nur mittels Feuchtigkeit erfolgen. Weiterführend wird beschrieben, dass die Farbe den gleichen Bezug zum Sehbaren hat, wie der Geschmack zum Schmeckbarem. 


Walter Seitter wirft die Frage in den Raum, ob jemand der Anwesenden ein Gebiet der Philosophie kennt, oder ob es überhaupt ein solches gibt, welches sich mit dem Geschmack und seinen Qualitäten befasst: Karl Bruckschwaiger antwortete mit dem Sensualismus. (Recherche: Der Sensualismus ist eine philosophische Strömung, die besagt, dass alle Erkenntnisse und alle Vorstellungen aus der Sinneserfahrung (Empfindungen, Wahrnehmungen) abgeleitet werden; nichts ist im Verstand, was nicht zuvor in den Sinnen war ("Nihil est in intellectu, quod non fuerit in sensu"))


Das Fleisch wird als Medium für das Tastbare beschrieben, da das Tasten nur mit dem Fleisch erfolgen kann, während zB das Legen eines Objekts direkt auf ein Sinnesorgan gelegt wird, kein Tasten erfolgt. 


Karl  Bruckschwaiger betont an dieser Stelle die Wichtigkeit des „Dazwischens“, also des Mediums für Aristoteles. Dabei kommt es zu einer kleinen Diskussion über das Zustandekommen der Wahrnehmung: Walter meint, dass bei einer Berührung nämlich das Medium unter der Haut liegt, die Haut aber der Berührpunkt mit einem äußeren Objekt ist. Somit ist die Reihenfolge nicht mehr von außen nach innen: Objekt, Medium (Fleisch), Haut. Sondern, laut Walter: Objekt, Haut, Medium (Fleisch). Das Medium sei in dem Fall kein übliches „Dazwischen“ mehr. 


Walter erwähnt an dieser Stelle Grillparzers Gedicht, „Der Kuss“: In dem Gedicht beschreibt der Author, wohin man wie küssen kann, unter anderem aufs Auge. Walter verknüpft dieses Thema mit der aristotelischen Wahrnehmung, in dem er sagt, dass der Kuss das Auge berührt, wie auch der weiße Stein, und das Auge nichts mehr sehen kann, sondern nur mehr spürt, also in seiner Rolle als sehendes Sinnesorgan scheitert: es schließt sich außerdem reflektiv, bevor es überhaupt berührt wird. 


Zurück zu de anima: das Wahrnehmen als eine Art Erleiden. Die Mitte als Maßstab für die Sinnesorgane, die hell von dunkel, kalt von heiß usw. unterscheiden sollen. Luft habe nur einen geringen 

Unterschied im Tastbaren, während „ein Übermaß an Tastbarem“ unserem Tastsinn schädigt. 

Maximilian Perstl kommentierte an dieser Stelle, dass diese Mitte doch einen größeren Umfang haben muss: eine lauwarme Temperatur umfasst mehrere Grade (Celsius). Je nach Tagesverfassung, Sensibilität, der individuellen Vorstellung, wird die Einteilung in eine Kategorie passieren. Da das Empfinden subjektiv ist, werden auch unterschiedliche Grenzen existieren, die vom schmerzlosen ins schmerzhafte, vom lauwarmen ins kalte usw. übergehen, was bedeutet, die Wahnehmungs-Mitte ist eine breite. 


Wahrnehmung als Größe und Zeichen. Die Wahrnehmung nehme ein Zeichen (in anderen Übersetzungen „ein Abbild“) auf, kein Objekt. Hier wurde im Seminar die Brücke zu Freud geschlagen, denn dieser beschreibt das Gedächtnis als Wachs-Abdruck, welcher zuerst beschrieben, und dann wieder gelöscht werde, zB durch neue Eindrücke. 


Zurück zu Aristoteles: Wahrnehmungsorgan und Wahrnehmungsvermögen seien dasselbe (Das Wahrnehmungsorgan, ein Körperteil, das Wahrnehmungsvermögen, eine Fähigkeit oder Können. Ein Mensch hat verschiedene Wahrnehmungsvermögen, mit denen er riechen, hören, sehen, fühlen, und noch mehr kann), und die Schädigung der Wahrnehmungsorgane wird durch ein Übermaß ausgelöst, da das Verhältnis innerhalb des Organs zu stark bewegt wird. Auch die Harmonie (er meint wahrscheinlich ein angenehm klingendes Anschlagsverhalten und Ausschwingverhalten) und Ton (er meint wahrscheinlich die Tonhöhe, welche idealerweise nicht stark schwankt, um nicht die genaue Tonhöhe zu irritieren) werden ins Ungleichgewicht gebracht, wenn man eine Saite zu stark zupft. 


Das Wahrnehmende sei eine ausgedehnte Größe (Decartes, 17. Jhdt.: „res extensa“, ein Körper nimmt Raum ein, ist daher etwas Ausgedehntes. Der Geist, „res cogitans“ sei etwas unkörperliches, nicht ausgedehntes. Aus diesem Verhältnis entsteht ein Körper-Geist-Dualismus). 


Ferner wird auch klar, warum die Pflanzen nicht wahrnehmen, obwohl sie eine Teilseele haben und vom Tastbaren irgendwie betroffen werden: ihnen fehlt die Mitte, mit der sie beurteilen könnten, ob etwas kalt oder warm ist, sowie ein System, mit dem sie die Formen des Wahrnehmbaren erfassen können. Karl Bruckschwaiger kommentierte, dass die Mitte als Metapher für das Gehirn steht, sowie dass der gesamte Pflanzenkörper das Gehirn sei, das neuronale Netz. Auch haben Pflanzen einen gewissen Sehsinn, da sie in die Richtung des Lichts wachsen. Manfred Russo erwiderte, dass es aufgrund des Konkurrenzkampfes (um Ressourcen) unter den Pflanzen ebenso eine gewisse Wahrnehmung geben muss. 


Noch ein Ausschweifer zum Thema Decartes und seinen Animismus: Descartes verband den Begriff des Animismus (lat. Anima = Seele) nicht mit traditionellen Weltbildern beseelter Natur, sondern nutzte ihn im Sinne einer "Lebenskraft" (Spiritus animalis) als Bindeglied zwischen Körper und Geist, der als mechanisch fungierende Maschine (Körper) und immaterielle Seele (res cogitans) gedacht wurde.


Verfasser des Protokolls: Maximilian Perstl







Mittwoch, 10. Dezember 2025

De Anima / Peri psyches lesen 29 – (422b 17 - 423b 7)



Protokoll vom 26. November 2025



Nach dem Verlesen des Protokolls vom 12.11.2025 haben wir lange über die verschiedenen Wahrnehmungsebenen diskutiert, die im Kapitel 10 thematisiert werden.

Es wurde über die Frage nach dem Verhältnis zwischen Wahrnehmendem und Wahrgenommenem debattiert sowie darüber, ob die Wahrnehmung von den Objekten, die wahrgenommen werden, abhängig ist – wie es von Aristoteles behauptet wird – oder doch von den wahrnehmenden Lebewesen.

Die Dinge werden (bei Aristoteles) sozusagen von sich aus wahrgenommen, d.h., die Wahrnehmung ist vom außenkommenden Ding abhängig und wird nicht (wie heute) intentional aufgefasst. Die Soziologie, zum Beispiel, bezieht sich – wie Manfred Russo betont – vor allem auf die ‚Intention‘ der Wahrnehmenden.

In diesem Kontext haben wir uns auch mit Fragen über den Begriff der Distanz, über das ‚Innen‘ und ‚Außen‘ und das ‚Wie‘ Distanz beschaffen sein muss bzw. kann, auseinandergesetzt – diese hängt vom Wahrnehmungssinn ab. ‚Licht’ ist beispielsweise das Dazwischenliegende beim Sehen.

(Wie im letzten Protokoll erwähnt wurde, vertritt Aristoteles die These, daß die Distanz durch etwas Dazwischen-Liegendes ausgefüllt sein muß – durch etwas jeweils Bestimmtes: beim Sehen durch das Licht, beim Hören durch die Luft).

Walter Seitter hebt den Aspekt der Kategorienaufzählung hervor. Aristoteles zählt die Qualitäten auf: Schmeck- Riechqualität / scharf, ölig, etc. Geschmack ist in diesem Zusammenhang ein abstrakter Begriff und Schmeckqualitäten sind höhere Abstraktionsstufen.

Diskussion:

K. Bruckschwaiger: „Beim Schmecken kommt die eigene Intention dazu“.

S. Panteliadou: „Die Fähigkeit des Schmeckens, also die Schmeckqualität ist die Voraussetzung dafür“.



Walter Seitter stellt daraufhin die Frage, ob diese Betrachtungsweise in die Philosophiegeschichte eingegangen sei.

Karl Bruckschwaiger stellt fest, dass dies im ‚Sensualismus‘ zu finden sei und verweist ebenfalls auf das 12. Buch der Metaphysik und den Bezug auf die ‚pure Lust‘ und das ‚Genießen‘.

Das Verbinden von Abstraktion mit den konkreten Formen der Wahrnehmung (z.B. das Prinzip der ‚Entelecheia‘ mit dem ‚Wie die Dinge bewegt werden‘) wird von M. Russo als herausragend charakterisiert, ein Gedanke, dem alle Anwesenden ebenfalls zustimmen.

Nach der ausführlichen Besprechung des Geschmacksinns gingen wir zur Lektüre des 11. Kapitels des II. Buches (422b 17) über.

Darin handelt es sich um den Tastsinn, beziehungsweise wie es bei Thomas Buchheims Übersetzung heißt, es geht um die Rede von der Berührung und dem Berührbaren.

Aristoteles fragt zunächst, ob alles, was über das Berührbare (Ding) gesagt wird, auch für die Wahrnehmung der Berührung gilt, nämlich, ob die Wahrnehmungen des Tastens mehrere sind.

Denn in Bezug auf die ‚Berührung’ gibt es eine Schwierigkeit betreffend die Fähigkeit des Berührens und das Organ, womit berührt werden kann. Aristoteles geht anfangs davon aus, dass das ursprüngliche Organ etwas sei, das sich im Fleisch befindet. Was könnte dies aber sein? Ist damit das Fleisch als Organ oder das Fleisch als Medium gemeint?

Diese Frage wird von Aristoteles selbst einige Zeilen danach (422b 23) beantwortet. Da heißt, dass jede Wahrnehmung sich auf einen Gegensatz zu beziehen scheint: das Sehen bezieht sich auf das Weiße und das Schwarze, das Hören auf die Höhe und Tiefe und der Geschmackssinn bezieht sich auf das Schmecken des Bitteren und Süßen.

Hierzu wurde bei unserer Diskussion die Feindifferenzierung zwischen ‚laut‘ und ‚leise‘ bzw. die topologisch innere Struktur beim Hören erwähnt und bezüglich des Sehens wurde auf Goethes Farbenlehre und die Komplementärfarben (Rot-Grün, Blau-Orange) verwiesen.

Wie verhält es sich aber bei der Wahrnehmung der ‚Berührung’? Aristoteles betont an dieser Stelle, dass im Unterschied zum Sehen oder Hören in Bezug auf das Berührbare mehrere Gegensätze existieren, wie beispielsweise: warm-kalt, trocken-feucht, hart-weich u.a.. Eine zusätzliche Qualität, welche die Wahrnehmung der ‚Berührung‘ auszeichnet, finden wir in der aristotelischen Schrift „Über Werden und Vergehen" / „De generatione et corruptione“; da stellt der Philosoph fest, dass erst durch die ‚Berührung‘ ein Wirken (poiein) oder ein Leiden (paschein) möglich sei. (322b 22-24).

Die Grundfrage in der aktuellen Lektüre lautet jedoch, „was ist beim Vermögen des Berührens das Eine, welches dies ermöglicht?“ (vgl., 422b 33). Die Frage, ob das Wahrnehmungsorgan, bei der Berührung, sich im Inneren des Fleisches befindet – sozusagen zwischen Knochen und Haut – oder außerhalb desselben bzw. direkt das Fleisch ist, bleibt an dieser Stelle unbeantwortet.

Auch dann, wenn ein Teil des Körpers durch eine künstlich angefertigte Haut umspannt wäre, würde die Wahrnehmung der Berührung unsichtbar bleiben – sagt

Aristoteles –, im Unterschied zu den Sinnen des Sehens, des Hörens, des Riechens, bei welchen ersichtlich ist, dass es sich um einen Wahrnehmungssinn handelt.


Aus dieser hypothetischen Annahme wird gefolgert, dass das Fleisch in diesem Fall nur das Medium sein müsste; die Fragestellung somit in Bezug auf die Berührung selbst bleibt im Moment unklar (423a 11-12) – d.h. ob mehrere Wahrnehmungen mit dem Begriff Berührung bezeichnet werden können oder nicht.

Ein beseelter Körper kann nach Aristoteles nur etwas Festes sein und nicht allein aus Luft oder Wasser bestehen – alle Körper sind Mischungen bestehend aus den vier Elementen: Erde, Wasser, Luft und Feuer.

Daraus schlussfolgert Aristoteles, dass der Körper notwendigerweise das Dazwischen (to metaxy) – das Medium – für die Fähigkeit des Berührens sein muss, denn er ist physisch mit den Organen verbunden, die für die Funktionen der Berührung zuständig sind. Dass das Wahrnehmungsorgan mehrere Funktionen haben kann, wird deutlich anhand des Beispiels „Zunge“ – mit der Zunge kann man schmecken und berühren –, aber nicht umgekehrt.

Die Funktion der Umkehrung ist hier wesentlich, denn daraus ergibt sich, dass die zweifache Fähigkeit nicht bei allen Organen vorhanden ist. Und, dass, damit solch eine Wahrnehmung erfahrbar ist, nicht allein das Zusammentreffen des wahrnehmbaren Gegenstands mit dem Wahrnehmungsorgan vorweg bedingend dafür ist, sondern dabei ebenso das Dazwischen notwendig ist, das Medium. Für den Tastsinn oder die Wahrnehmung der Berührung ist das Medium (vielleicht) das Fleisch.

Die Formulierung der folgenden Aporie stellt uns vor dem nächsten Problem: Ist es möglich, dass sich zwei Körper berühren, die sich im Wasser befinden? Dies ist nach Aristoteles unmöglich; und das Gleiche gilt auch im Falle der Luft. Denn, genauso wie es nicht leicht erkennbar ist, dass, wenn ein nasser Körper im Wasser sich mit einem anderen nassen Körper berührt, dazwischen – zwischen den zwei Körpern – sich etwas Anderes befindet, ebenso nimmt man dieses Dazwischen auch bei den anderen Sinnen (oder beim Element Luft) nicht leicht oder notwendigerweise wahr.

Die Härte zum Beispiel oder das Weiche bei einem Gegenstand können wir auch mittels eines anderen Dings empfinden / wahrnehmen, z.B. durch einen Stoff hindurch. Das Laute, das Sichtbare und das Riechbare nehmen wir aber aus einer Entfernung wahr und deswegen bleibt das dazwischen-Liegende unbemerkt.

In Wirklichkeit, stellt Aristoteles hier schlussfolgernd fest, nehmen wir alles nur durch ein Medium wahr (aisthanometha ge πάντων dia tou mesou / 423b 7), auch wenn wir dies nicht immer merken.



Sophia Panteliadou