τὸ μὲν οὖν αἰσθάνεσθαι ὅμοιον τῷ ... νοεῖν.

Das Wahrnehmen nun ist ähnlich dem ... vernünftigen Erfassen.

Aristoteles (De Anima III, 7: 431a)

* * *

Mittwoch, 30. Oktober 2024

De Anima / Peri psyches lesen 9 - (406b, 10 – 407a, 20)

 

De Anima / Peri psyches lesen - (406b, 10 – 407a, 20)


Mittwoch, den 16. Oktober 2024


Nach dem Verlesen des Protokolls möchte Walter Seitter an das Seelenähnliche in der Metaphysik erinnern. Die Seele spielt in der Metaphysik eigentlich keine selbständige Rolle, daher die Suche nach Eigenschaften, die die Seele ausmachen und die den erwähnten Lebewesen zukommen, insbesondere und in vollkommener Weise dem Unbewegten Bewegenden. Eine Seelentätigkeit ist das Denken, die dem ersten Bewegenden besonders zukommt, als Denken des Denkens (noesis noeseos) in Metaphysik, 1074b, 34, die Tätigkeit des Denkens geht auf das Höchste der Vernunft, das Denken selbst und ist daher als seine wirkliche Tätigkeit (energeia) zugleich auch Lust (hedoné) in Metaphysik, 1072b, 17. Danach folgen unmittelbar das Wachsein, Wahrnehmen und Denken als das Angenehmste (hediston – das Wohlschmeckendste), dann erst Hoffnungen und Erinnerungen. Einige Zeilen später fasst die wirkliche Tätigkeit des Denkens als Leben (zoon) zusammen und so kommt Gott das beste und ewige Leben zu und damit auch der Status als Lebewesen. in Metaphysik, 1072b, 29.

Von der Erinnerung an die Metaphysik zurück zur Seele selbst und ihren Bewegungen.

Aristoteles wendet sich im gelesenen Abschnitt dem Problem des Bewegt-werden oder der Selbstbewegung der Seele zu. Es herrscht ein hypothetischer Ton, denn jede Bewegung der Seele würde ein Heraustreten der Seele aus Ihrer Substanz bedeuten, hier steht ousia, mit all den Implikationen wie Seelenwanderung. Die andere Möglichkeit wäre, das die Seele den Bewegungen ihrer ousia folgt und sich nicht selbst bewegt.

Damit kommt Aristoteles, auf die zu sprechen, die eine Bewegung des Körpers durch die Seele annehmen, in einer sehr direkten und physikalischen Weise wie Demokrit. Aber zuerst wird der Komödiendichter Philippos erwähnt, der erzählt haben soll, dass Daidalos eine hölzerne Aphrodite durch das Eingießen von Quecksilber beweglich gemacht hätte. In derselben Weise würden die unteilbaren Kugeln bei Demokrit, den Körper bewegen und ihn in Bewegung setzen. Aristoteles fragt sich in einem Nachsatz, ob dieses Bewegungsprinzip auch Stillstand verursachen kann, und das dies schwer anzugeben sei, wie das möglich sei.

In völliger Naivität bezüglich der Atombewegungen könnte man sich vorstellen, dass sich eventuell genug Bewegungen gegenseitig aufheben und dadurch Stillstand erzeugen.

Aber Aristoteles favorisiert ohnehin andere Bewegungsursachen, nämlich das die Seele die Körper durch Entschluss (proaireseos) und Gedanke (noeseos) bewegt.


Auf dieselbe Weise wird im Timaios eine naturphilosophische (physiologei) Erklärung gegeben, dass die Seele den Körper bewegt. Nur ist bei Platon die Seele stark mit dem Kosmos verflochten und folgt den Umläufen des Himmels. Des weiteren wird die Seele als aus den Elementen zusammengesetzt vorgestellt und gemäß den harmonischen Zahlen aufgeteilt und bewegt sich in zwei verbundenen Kreisläufen, wovon der zweite Kreis noch in sieben Kreise unterteilt ist, die den sieben Planeten entspricht.

Nun widerspricht Aristoteles der Vorstellung, das die Seele etwas Ausgedehntes ist und der damit verbundenen Vorstellung von der gleichen Beschaffenheit der Bewegungen des Kosmos. Denn die Bewegung der sogenannten Vernunft, es ist ja weder die wahrnehmende noch die begehrende Seele, kann kein Kreislauf sein. Für Aristoteles ist die Vernunft einheitlich und kontinuierlich, wie die einzelnen Gedanken. Diese stehen in einer Abfolge wie die Zahl und nicht wie das Ausgedehnte. Die Vernunft hat auch keine Teile und ist nicht auf dieselbe Weise kontinuierlich wie das Ausgedehnte.

Wie soll etwas Ausgedehntes mit mit einem Teil seiner Selbst sich selber denken. Aristoteles spielt noch die Punkte als Teilbares durch, wobei eine andere Aporie entsteht, das man mit unendlich vielen Punkt niemals einen Kreis durchschreiten könne, und dadurch etwas auch unendlich viele Male denken müsste. Es soll möglich sein etwas nur einmal zu denken und nur einmal den Kreis zu berühren, ohne sofort in eine Kreisbewegung zu geraten, wobei man dann unendlich viele Male dasselbe denken müsste.

Aristoteles verschärft das Argument, indem er fragt wie etwas Unteilbares wie die Vernunft etwas Teilbares wie den Himmelskreis berühren kann, und wie etwas Unteilbares mit einem Teilbaren zu denken ist. Den es ist nach Platon notwendig, das die Vernunft dieser Kreis und die Bewegung der Vernunft das Denken und die Bewegung des Kreis der Umlauf des Himmels.


Karl Bruckschwaiger





Mittwoch, 16. Oktober 2024

De Anima lesen/ΠΕΡΙ ΨΥΧΗΣ - 405b 31 - 406b 10

 9.Mai.2024

405b 31 - 406b 10

Zuerst die Frage, ob die Seele überhaupt oder gar wesenhaft mit Bewegung zu tun hat. Im heutigen Verständnis der beiden Begriffe ist der Zusammenhang nicht von vornherein gegeben - denn unter „Seele“ versteht man gewöhnlich die Innerlichkeit des Menschen, während man die „Bewegung“ eher für etwas Physikalisches hält. 

Wir haben schon im  1. Kapitel gesehen, daß bei Aristoteles der Begriff der Seele eine weitgespannte Bedeutung hat. Und jetzt sagt er, es gebe gegensätzliche Ansichten dazu: die Seele könnte als das Bewegende schlechthin aufgefaßt werden - oder aber sie könnte mit Bewegung gar nichts zu tun haben. 

Allerdings ist schon früher gesagt worden,  daß ein Bewegendes selber auch unbewegt sein könne - prominentes Beispiel dafür das sogenannte Unbewegte Bewegende in der Metaphysik. In Bewegung gerät etwas entweder durch ein anderes oder aus sich selbst heraus. Durch etwas anderes bewegt ist  etwas, wenn es sich in einem Bewegten befindet, wie etwa die Schiffer auf einem Schiff, dessen Bewegung eine andere als als die der Schiffer - wobei mir jetzt unklar ist, ob Aristoteles meint, die Schiffer werden einfach mit dem Schiff mitbewegt und insofern durch etwas anderes , oder ob er meint, die Schiffer, die auf dem Schiff arbeiten, vollziehen zusätzlich Bewegungen völlig anderer nämlich kleinteiliger Art.

Nun fragt Aristoteles in Bezug auf die Seele, ob die Bewegung der Seele aus ihr selbst heraus oder durch Teilnahme stattfindet.  

Dann eine  Unterscheidung von vier Arten   von Bewegung - wobei allerdings „Bewegung“ und „Veränderung“ durcheinander zu geraten drohen. Die natürlichen Bewegungen der Seele müßten im Raum stattfinden - doch im Griechischen steht topos und dieses Wort wird von den einen mit „Ort“,  von den anderen mit „Raum“ übersetzt.  Gemeint ist sicherlich nicht ein unendlicher Raum sondern eine Raumzone, von denen es viele geben muß, jeweils eine für einen Körper.   Wenn die Seele sich von Natur aus bewegt, dann hat sie einen Raum  (oder Ort?). Wenn die Seele sich irgendwohin bewegt, dann kommt sie dort zur Ruhe.  Sie kann auch durch Gewalt irgendwohin bewegt - und dort zur Ruhe gelangen. Aber wie diese Bewegungen und Stillstände aussehen, das kann man sich auch nicht mit viel Phantasie erklären. Da sie den Körper bewegt, ist es verständlich, daß sie die Bewegungen, die sie bewirkt, auch selber vollzieht.  Im Griechischen steht für „bewirkt“ und „vollzieht“, immer kinei  - das heißt bei Aristoteles kumuliert            sich die Seelenbewegung über sich selber gleichsam reflexiv. Und daraus ergibt sich, daß die Seele die Ortsveränderungen des Körpers mitmachend folglich sowohl hinein wie auch hinausgehen könne. Woraus sich ergeben könnte, "daß Lebewesen nach ihrem Tode wieder auferstehen müßten“. (406b 5)

Nach diesem doch etwas verblüffenden Satz eine weit gefaßte Analogie zwischen einer Bewegung aus sich heraus und einem Guten, das aus sich heraus gut ist. 
 
Walter Seitter