4.Juni 2025
De
anima, Zweites Buch, Abschnitte 6 und 7
Nachtrag
zur letzten Sitzung: Walter erinnert an das „Dreieck“ von
Wahrnehmung, Denken und Sagen und fand die diesbezügliche Frage von
Maximilian gut: Warum schreibt Aristoteles „Sagen“ und nicht
„Handeln“? Der Austausch von „Sagen“ gegen „Handeln“ wäre
aber nicht ganz einleuchtend, weil „Handeln“ wohl über das
„Sagen“ bzw. die Sprache hinausgeht.
Was
ist ein „Protokoll“? Diese Frage wurde in den beiden letzten
Sitzungen ausführlicher besprochen: am 7. Mai 2025 (siehe Protokoll
Seitter) sowie am 21. Mail 2025 (diesbezügliche Aussagen fehlen im
Protokoll Bruckschwaiger).
Walter
findet, dass insgesamt die Sache mit den Qualitäten eines
„Protokolls“ noch immer nicht klar genug erscheint und insistiert
darauf: Protokolliert wird, wer in einer Sitzung anwesend ist und was
gesagt und für wichtig erachtet wird. Für unser Seminar ist in den
Protokollen weniger der Text „Über die Seele“ selbst
entscheidend, vielmehr das, was dazu gesagt wird: Ergebnisse,
allfällige Auffassungsunterschiede im Sinne einer Sitzung als
„Ereignis“ und/oder auch eines „Beschlusses“ mit
Handlungsanweisungen. Der Verlauf der Sitzung soll im Protokoll
nachvollziehbar sein. Auch Anmerkungen zum jeweils vorigen Protokoll
gehören in ein Protokoll (wie Auslassung wichtiger Aussagen).
Heute
werden wesentliche Aussagen der vorigen Sitzung nochmals repliziert
bzw. entlang des neuen Textabschnittes kommentiert:
- Wahrnehmung und Denken: „(...) liegt
das Denken bei einem selbst, wann immer man will, das Wahrnehmen aber
nicht, denn es muss etwas da sein, das man wahrnehmen kann.“
(Kapitel 5 gegen Ende)
- Wahrnehmung, Bewegung und Veränderung:
„Die Wahrnehmung beruht (...) auf Bewegtwerden und Erleiden.“
(Anfang Kapitel 5)
- Was den einzelnen Wahrnehmungen
„eigentümlich“ ist? Aristoteles: „Mit »eigentümlich« meine
ich, was man nicht mit einem anderen Sinn wahrnehmen kann und worüber
man sich nicht täuschen kann, wie etwa das Sehen der Farbe, das
Hören des Schalls und das Schmecken des Saftes (...).“ – oder
anders: „Von dem an sich Wahrnehmbaren ist das Eigentümliche das,
was im eigentlichen Sinne wahrgenommen wird, d.h. das, worauf sich
das Wesen jedes Sinnes von Natur bezieht.“
(= letzter Satz von Abschnitt 6)
- Wahrnehmung ist mit „Bewegung“
verbunden. Bewegungen werden vom Sehen und vom Greifen – also von
mehreren Sinnen – wahrgenommen. Der Tastsinn ist differenzierter
und nimmt mehrere Unterschiede wahr: Temperatur, Glätte,
Feuchtigkeit ... (Seitter)
- Der Schritt von Betrachtung zu
Veränderung. Wenn ein Denker (bloß) „weiter-denkt“, ist das
noch keine „Veränderung“.
- Die Differenzierung zwischen dem
„Vermögen“ der Wahrnehmung und der „Vollendung“.
- Walter macht einen Unterschied:
Qualitäten, die den Sachen selber zukommen; andere Qualitäten
werden von uns hinein-projiziert (dies wird aber bei Aristoteles
nicht in dieser Form ausgesagt).
- Zum Schall / Klang: Tastsinn in der
Musik. Hier wird an Sophia aus der letzten Sitzung angeknüpft: Was
erzeugt ein Pianist? (...) Und der Trompetenspieler: Luft in
Bewegung. Luft ist auch ein Körper. Nochmaliger Verweis auf das Buch
von Walter Seitter, Physik des Daseins: Bausteine zu einer
Philosophie, Sonderzahl 1997.
- Luft ist Bewegung eines unsichtbaren
Körpers: Exkurse zur Sichtbarkeit / Unsichtbarkeit des Atems.
Der
Abschnitt 7 wird mehr oder weniger nur verlesen, aber aus Zeitmangel
noch nicht genauer verhandelt: Sichtbarkeit, Farbe, Licht /
Finsternis, Farblosigkeit, Durchsichtigkeit, Einwand von Aristoteles
gegen die Auffassungen von Empedokles etc.
Rudolf
Kohoutek