τὸ μὲν οὖν αἰσθάνεσθαι ὅμοιον τῷ ... νοεῖν.

Das Wahrnehmen nun ist ähnlich dem ... vernünftigen Erfassen.

Aristoteles (De Anima III, 7: 431a)

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Freitag, 20. Juni 2014

23. Juni 2014: Poetik lesen

NEUE WIENER GRUPPE / LACAN SCHULE – SEKTION ÄSTHETIK


Montag, 23. Juni 2014, 19:30 Uhr
Charim Galerie, Dorotheergasse 12, 1010 Wien

Präsentierung der Lektüre der aristotelischen Poetik durch die Hermes-Gruppe (2007–2010), erschienen in Poetik lesen 1 & 2


Am 26. und 27. September 1953 nannte Jacques Lacan in Rom (sein Auditorium bestand aus drei Leuten) einige Gebiete, die zur Lehre der Psychoanalyse gehören,  nämlich die Rhetorik, die Dialektik (im Sinne der Topik des Aristoteles), die Grammatik und - als den Gipfel einer Ästhetik der Sprache - die Poetik. 

Die Wiener Hermes-Gruppe hat vom Jänner 2007 bis zum Dezember 2010 die aristotelische Poetik gelesen und besprochen; wir haben die Besprechungen protokolliert, dann publiziert. Die Langwierigkeit dieser Lektüre stellt vielleicht einen kleinen Rekord dar. 


Die Poetik als Lehre von der Dichtkunst gehört zu den "poietischen Wissenschaften", in denen es um die Herstellung erwünschter Realitäten (Sieg, Gesundheit, nützliche Dinge, schöne Werke) geht. Aristoteles läßt aber auch andere Wissensformen einfließen: Geschichtsschreibung, "Physik": was ist die Natur der Dichtung bzw. der Tragödie, was sind ihre Ursachen, ihre Arten, ihre Materialien, ihre Zweckbestimmung? 

Aristoteles betrachtete das ihm vorausliegende 5. Jahrhundert als "klassische" Epoche. Dennoch scheint er den Trend seiner Zeit, nämlich das Theater zu einer reinen Textangelegenheit zu machen, also zu "Literatur" im heutigen Sinn, vorangetrieben zu haben.  Unsere Lektüre hat in den literaturanalytischen Ausführungen des Aristoteles auch Wendungen zur "Ontologie"  festgestellt.  Die Wirksamkeit seiner Schrift hält an.


Walter Seitter