Protokoll vom 04.03.2026
Bei der Besprechung des Protokolls von
Sophie Panteliadou kommt es auf Wunsch von Walter Seitter noch zu einer
Bestätigung seiner protokollarischen Feststellung der Störanfälligkeit des Wahrnehmungsvermögens,
die bis zum völligen Ruin führen kann. (426
b 6, Protokoll vom 4. Feb.) Aufgrund eines
möglichen Missverständnisses bei der Übersetzung daher noch folgende
Präzisierung: ύperballonta de lupei ή jqeίrei (jθείρw zugrunde richten, zugrunde gehen, Friedrich Gemoll, Griechisch- Deutsches
Schul- und Handwörterbuch, Wien 1908, 9. Auflage 1997, S 782)
Die Vorstellung gehört nicht zu jenen
Fähigkeiten, die immer die Wahrheit aussagen, wie das Wissen oder das Denken,
es gibt schließlich auch falsche Vorstellungen, d.h. sie entsprechen nicht der
Wirklichkeit. Nun muss man überlegen, ob das eine Meinung ist und überprüfen,
ob es eine wahre oder falsche Meinung ist.
allerdings muss man eine Meinung für glaubhaft halten, es handelt sich also
um eine Überzeugung, die des Vertrauens bedarf. Hier besteht ein klarer
Unterschied zu den Tieren, die zwar Vorstellungen, aber keine Überzeugungen
haben. Daraus folgt für Aristoteles, dass auf jede Meinung Überzeugung, auf
Überzeugung das Überzeugtsein und auf Überzeugtsein die Vernunft folgt.
Walter Seitter schlägt folgende
Differenzierung vor: Im Unterschied zum Meinen, der doxa, gibt es noch die hypolepsis und die pistis, wobei die
hypolepsis als Angabe über den Sachverhalt mehr Objektivität erfordert, während
die pistis einen höheren Anteil an Subjektivität hat. Pistis bedeutet auch
jemandem zu glauben.
Ebenso schließt Aristoteles daraus, dass Vorstellung
weder Meinung mit Wahrnehmung, noch Meinung durch Wahrnehmung, noch Verknüpfung
von Meinung und Wahrnehmung sein dürfte. Meinung hat daher nichts anderes zum
Gegenstand als die Sinneswahrnehmung.
Eine Verbindung zwischen Meinung und
Wahrnehmung, die das Weiße zum Gegenstand hat, ist eine Vorstellung, etwas anders
ist hingegen eine Verbindung, die das Schöne und die Wahrnehmung des Weißen zum
Gegenstand hat. Weil ich mich hier durch Denken (dianoia) urteilend auf das
Gute einlasse. Meinung ist Urteil, Vorstellung ist Bild, so Walter Seitter.
Weiß verhält sich zur Wahrnehmung wie das Gute zum Denken. Denken ist
Proportion.
Man kann sich auch Falsches vorstellen, das
man gleichzeitig für wahr hält. Die Sonne scheint zwar nur einen Fuß groß zu
sein, aber man hat dennoch den Eindruck, dass sie größer als die Erde ist. In
diesem Fall hat man entweder seine wahre Meinung, die man hatte, aufgegeben,
obwohl der Sachverhalt gleichblieb, man nicht darauf vergessen hatte oder die
Überzeugung änderte, oder aber, wenn man sie noch hatte, sie zugleich wahr und
falsch sein muss. Die Meinung muss immer falsch werden, wenn sich der Sachverhalt
unbemerkt verändert. Die Vorstellung ist weder eines dieser Vermögen, noch eine
Kombination aus ihnen.
Manfred Russo
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