Vorwörter des Seminars
Das Seminar beginnt abwechslungsweise mit der Erwähnung des Christentums, infolgedessen die Verurteilung von Jesus Christus. Die Frau von Pontius Pilatus träumte einst davon, Jesus freizulassen, ihn nicht an irgendwas dran zu nageln, während andere zuschauen: Auf den ersten Blick ein Akt der Gnade, entpuppt sich dieser Traum jedoch als etwas Negatives. Martin Luther meinte (ein paar Jahre später), dieser Traum sei ein „Werkzeug des Teufels“ gewesen, mit dem Ziel vor Augen, die Erlösung der menschlichen Sünden zu verhindern. Pontius Pilatus stimmte der Verurteilung zu, da die Hohepriester das Volk gegen Jesus aufhetzten.
Weiter ging es mit der Erwähnung von Foucaults Werken: „der Diskurs der Philosophie“, das erste seiner Werke, welches sich mit der Philosophie beschäftigt, genauer gesagt, mit der Geschichte der Philosophie.
Die „Archäologie des Wissens“ beschäftigt sich unter anderem mit der Aussage und dem Diskurs, letzteres ergebe sich nur aus der Ansammlung von einigen Aussagen.
Zeilen aus einem Buch lesen wir aber von Aristoteles, beginnend bei 430a 10.
Die Gattung der Materien, die Ursachen des Wirkenden, um jenes hervorzubringen, werden erwähnt.
Warum ist Denken ein Erleiden? Sofia P. und Walter S. sind der Ansicht, dass dieser Satz so gelesen werden soll: „Warum ist Denken auch eine Art Erleiden?“ Da die Wahrnehmung eine essenzielle Rolle im Denkprozess spielt, und der Gedanke sich immer nach einem Gegenstand richtet, der von außen kommt, könne man das Denken als eine Art erleiden betrachten. Zwar kann man die aktive Rolle des Denkens nicht bestreiten, so existiere sie nur unter der Bedingung des Erleidens der Wahrnehmungen.
Der Zusammenhang zwischen dem Gedachten und dem Gegenstand (Aristoteles schreibt von „Form“), oder dem Wirken und Leiden, sei das Denken.
Maximilian P. stimmt nicht zu, er meint, Wahrnehmung könne man doch von dem Denken unterscheiden, sie gehören zwar zusammen, jedoch kommt der Gedanke erst nach dem Wahrgenommenen. Für ihn sei das Denken in keiner Weise passiv, oder „Leiden“. (eine spätere Reflexion dazu: so wie die Luft von den Lungen getrennt betrachtet wird, wo doch die Lungen erst mit Luft ihren Zweck erfüllen können, sind Denkprozesse zwar von den äußeren Gegenständen beeinflusst, sind aber eine völlig andere, nämlich eine eigene Instanz. Eine Flasche, die recycelt wird, ist nicht mehr die Flasche vor dem Recyceln. Gedanken sind nie die äußeren Gegenstände selbst, daher ist das Denken kein Erleiden, sondern nur das Wahrnehmen ist ein Erleiden. Man kann sehr wohl chronologisch zuerst von dem Erleiden (Wahrnehmen) und dann dem Denken (Tun) sprechen)
Der Gedanke und der Verstand: Der Verstand ist laut Aristoteles das Können, die Fähigkeit, Denken zu können. Der Verstand ermöglicht das Denken – aber nicht immer, man kann auch Dinge denken, die man nicht verstanden hat.
Das „Noun“, das Substantiv, steht für das „Denkende“, während „Nous“ ist der Vermögen (der Verstand). Die Realisierung des Verstandes heißt laut Walter S. „verstehen“.
Eine weitere Reflexion: Muss der Denkende seine Gedanken verstehen, oder führt er nur Prozesse aus, die ihm naheliegen? Wenn ein Maler seine Vision für ein Bild ausarbeitet, so hat er nicht zwingenderweise verstanden, was die Hintergründe seiner Gedanken sind. Er lässt sich künstlerisch gehen, findet darin seinen Geschmack und die Überzeugung, entweder weiter an einem Werk zu arbeiten oder es direkt zu verbrennen. Seine Gedanken verstanden hat er aber nicht, bloß, weil er seine ursprüngliche Idee ausarbeitet. Kein Mensch muss verstehen, was er denkt, um zu Denken. Ähnlich geht es dem Menschen beim Essen, er muss nicht verstehen, wie man isst, um zu essen, ein Mensch isst instinktiv, denn müsste er noch die einzelnen Hand-, Mund- und Schluckbewegungen einstudieren, bevor er den ersten Apfel isst, würde er auf der Stelle verhungern. Er muss aber sehr wohl verstehen, wie er lebt, um zu leben. Somit denkt der Mensch zwar ständig seine Gedanken, verstehen muss er die Hintergründe aber nicht.
Dann eine Frage von Oberhaupt Walter an die Seminarmitglieder: Wie kann man Denken beschreiben? Die Antworten der Mitglieder lauten wie folgt.
1. „Das Denken ist ein geistiger Akt, der mit einem Ziel, immer mit einem Ziel verbunden ist, etwas besser, oder konkreter, oder detaillierter zu untersuchen.“
2. „Ein Akt, der von einem Denkgegenstand affiziert wird, auch wenn dieser keine Materie hat. Das eigene Denken wird somit vom Denken der anderen beeinflusst und besitzt daher auch eine Passivität.“
3. „Zustimmung der ersten beiden Antworten, gleichzeitig stellt sich beim Beurteilen der anderen Denker die Frage, ob das Beurteilen selbst eine Form des Denkens ist, bzw. ein Beurteilen ein Denken voraussetzt.“
Weiter geht es mit den letzten Zeilen des Kapitel 5:
In der ganzen Natur gebe es Materie für jede Gattung (nur so können Gattungen überhaupt entstehen), sowie die Ursache und das Wirkende, um alles hervorzubringen. So, wie sich Kunst zu Materialien verhält, so muss es in der Seele jene Unterschiede geben. Es gebe einen derartigen Geist, der zu allem wird, andererseits zu einem wird, der jenes hervorbringt: eine Eigenschaft vergleichbar mit dem Licht. Nur ein Licht kann Dinge zum Vorschein bringen. Farben können nur mit Licht realisiert werden. Beim Denken sei das Wirkende ranghöher als das Leidende, und das Prinzip höher als die Materie. Das verwirklichte Wissen jedoch sei dasselbe wie der Gegenstand. Das Prinzip der Gedanken sei also etwas Ewiges, während der menschliche Geist sterblich ist, und ohne diesem gibt es kein Denken.
Verfasser des Protokolls: Maximilian Perstl