τὸ μὲν οὖν αἰσθάνεσθαι ὅμοιον τῷ ... νοεῖν.

Das Wahrnehmen nun ist ähnlich dem ... vernünftigen Erfassen.

Aristoteles (De Anima III, 7: 431a)

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Montag, 21. April 2014

Metaphysik/Metaphysics


Die englische Übersetzung der Metaphysik in der Loeb-Ausgabe des griechischen Textes ist uns durchaus manchmal nützlich. Sie wurde 1933 zum ersten Mal gedruckt, ist also schon sehr alt. Deshalb dürfte ein Blick in eine jüngere englische Ausgabe nicht schaden.
Ich ziehe die amerikanische Ausgabe heran, die Joe Sachs 1999 zum ersten Mal herausgegeben hat.[1] Die Einleitung zeigt einen erfrischenden Ton und so greife ich einige Punkte heraus – vor allem solche, die mit unserer Lektüre konvergieren.
Sachs macht längere Ausführungen zum uneinheitlichen Charakter des Gesamttextes, der schon zu vielen sehr negativen Beurteilungen geführt hat. Er selber erklärt zu dieser losen Fügung, daß das Gesamtbuch zwei „erste Bücher“ hat, die in der griechischen Zählung Alpha und klein Alpha heißen, in der lateinischen Buch I und Buch II. In Wirklichkeit fange die Metaphysik viel öfter an als nur zweimal: nur die Bücher VIII, IX und XIV seien keine Neuanfänge.[2] Die Metaphysik beginnt elf mal neu: die Suchbewegung nach der „gesuchten Wissenschaft“ ist dermaßen vielfältig zusammengesetzt – als ob ungefähr elf Bücher nicht recht weiter führen, sozusagen Sackgassen seien, beinahe Aporien. Diese kleine Aporien- bzw. Anfänge-Mathematik scheint mir ein Glanzstück von Hermeneutik zu sein, die sich wohl nicht auf irgendeine Intention des mutmaßlichen Verfassers bezieht, sondern auf die Wirrnisse und die schließliche Entscheidung mehrerer antiker Redaktionsgenerationen.
Elf Neuanfänge – aber nicht ganz so viele Antworten auf die Frage, was denn das Thema des Buches ist. Eigentlich nur zwei. Nämlich „das Seiende als Seiendes“ und die „Prinzipien und Ursachen der Seienden, die abgetrennt, bewegungslos, göttlich sind“. Beide Formulierungen tauchen immer wieder auf. Die erste erstmals im Buch IV, die zweite im Buch VI. „Aufgrund der zweiten Bestimmung wird das ganze Werk von Aristoteles als ‚Theologie’ bezeichnet: aufgrund der ersten wird es ‚Ontologie’ genannt – aber von anderen und viel später.“[3] Diese deutliche Unterscheidung haben wir so ähnlich auch schon ausgedrückt. Sachs meint, Aristoteles würde die beiden Richtungen in seinem Buch zu einem Berührungs- oder Überschneidungspunkt zusammenbiegen. Wenn Sokrates im Staat meint, das Gute liege jenseits des Seins, doch könne es nicht mit den Gleichnissen erfaßt werden, dazu bedürfe es eines längeren Umwegs, so Sachs: die aristotelische Metaphysik sei so ein Umweg.[4]
Sachs geht auch auf die alten naturphilosophischen Lehren ein, die das Unbewegte entweder voraussetzen oder suchen. Sie leben in der neuzeitlichen Physik wieder auf, welche die Materie mit Trägheit (inertia) gleichsetzen, was sich jedoch nicht halten läßt. Er nennt Isaac Newton, John Dalton, neuere Molekularbiologen, die schließlich eine Nicht-Trägheit einsetzen müssen. Mit den Begriffen energeia und entelecheia habe Aristoteles die Schwierigkeit überwunden. Aber nicht etwa einfach mit diesen Begriffen – sondern mit der Fügung der Metaphysik, die „aus der größten Zahl von distinkten Teilen komponiert“ sei.[5]
Schließlich kommt Sachs auf die Übersetzungsproblematik zu sprechen. Er entscheidet sich gegen die jahrhundertelange Tradition, Aristoteles in einem angeblich englischen Latein wiederzugeben. Er möchte ihn englisch schreiben – so wie Aristoteles selber griechisch geschrieben hat: in der griechischen Umgangssprache, die er fallweise zu Begriffen und sogar zu Neologismen umgemünzt hat: aber es ist immer griechisch.

Das erinnert gewiß an Heideggers Verdammung der Latinisierung der Philosophen. Sachs selber erkärt, von Heidegger gelernt zu haben.[6] So weit so gut. Zu seinen Übersetzungsresultaten muß ich jetzt nichts sagen. Sie sind keineswegs alle gelungen. Aber dazu vielleicht später an Ort und Stelle.

Walter Seitter


[1] Aristotle’s Metaphysics. A new translation by Joe Sachs (Santa 2002). 1995 hatte Joe Sachs Aristotle’s Physics: A Guided Study herausgegeben.
[2] Siehe Op. cit.: XV.
[3] Op. cit.: XVII.
[4] Siehe op. cit.: XX.
[5] Siehe op. cit.: XXVf.
[6] Siehe op. cit.: XXXVI.

1 Kommentar:

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