τὸ μὲν οὖν αἰσθάνεσθαι ὅμοιον τῷ ... νοεῖν.

Das Wahrnehmen nun ist ähnlich dem ... vernünftigen Erfassen.

Aristoteles (De Anima III, 7: 431a)

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Montag, 27. Juni 2016

„Aristotle on Illusions, Hallucinations, and Dreams“


Stellungnahme zum Vortrag von Victor Caston (University of Michigan) 

Im Abschnitt 29 (Metaphysik, Buch Δ) über to pseudos/das Falsche (1024b 17f.) spricht Aristoteles über die verschiedenen Weisen wie man sich der Bedeutung des „Falschen“ annähern kann. (Siehe Protokoll: Walter Seitter, Sitzung vom 22.06.2016).

Pseudos (das Falsche) bedeutet jedoch nicht nur wie es in der Bonitz Übersetzung heißt: „das Falsche“, sondern ebenfalls: „Trug“ und „Täuschung“. In den aristotelischen logischen Schriften findet sich zudem die Bedeutung des trügerischen Syllogismus/„Syllogismus von Pseudos“ (Liddell/Scott).
In den Zeilen 1024b21-22 (Metaphysik) ist von Dingen die Rede, die zwar existieren, sie uns dennoch anders erscheinen als sie in Wirklichkeit sind. „Skiagraphia“ bedeutet hier nicht nur „Schattenriß“ (Übers. Bonitz), sondern vielmehr kommt dem Wort an dieser Stelle ebenso die Bedeutung der „optischen Täuschung“ zu. (Vgl. dazu auch: Rhetorik, 1414a10–11).
In seinem Vortrag Aristotle on Illusions, Hallucinations, and Dreams versuchte Victor Caston anhand ausgewählter Textstellen aus den Schriften: Metaphysik (1010b3–4, b8–11), Über Träume (460b11–15, 462a13–15, 458b 25–29, 458b31–459a1, 460b16–22, 461a31–b2, 461b 3–7), Über die Wahrnehmung (446b17–21, 446b21–26), De Anima (428b2–4, 425b25–27, 426a10–11), Über Gorgias (980b9–14) mittels einer Text-Mikroanalyse feine Differenzierungen zwischen den Bedeutungen der Wörter „Illusions“, „Delusions“ und „Hallucinations“ herauszuarbeiten.
Zu erwähnen wäre vor allem die Unterscheidung zwischen ‚Ähnlichkeit‘ und ‚Wirklichkeit‘ in der Wahrnehmung (von Dingen, Personen, Sachlagen, zwischen Gesprochenem und Wahrgenommenem). Als Beispiel dient dazu u. a. der Text „Über Träume“, 461b21–30 (:Koriskos). Insbesondere wäre hier die Modalität der Ähnlichkeit und die Differenzierung zwischen den wahrgenommenen Objekten/Dingen und den empirisch-realen Objekten/Dingen hervorzuheben. Daraus lassen sich für Aristoteles (nach Caston) verschiedene Schlüsse in Bezug auf die „Erfahrung an sich“ ziehen. Aristoteles unterscheidet demnach zwischen den kausalen Erfahrungszusammenhängen und den Erfahrungen, die auf Grund differenter Wege/Modi der Sinne entstehen. Und, obwohl zunächst der Eindruck geweckt würde, dass es sich um die gleiche Erfahrung handelte, ist es notwendig zwischen dem sinnlichen Wahrnehmen von Dingen (und ihrer Bewegung) und den empirischen Objekten/Dingen zu differenzieren.

Sophia Panteliadou
 
Zum Vortrag gehalten an der Universität Wien, am 22. Juni 2016