τὸ μὲν οὖν αἰσθάνεσθαι ὅμοιον τῷ φάναι μόνον καὶ νοεῖν.

Das Wahrnehmen also ist ähnlich dem bloßen Aussagen und dem vernünftigen Erfassen.

Aristoteles (De Anima III, 7: 431a)

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Dienstag, 3. November 2026

De Anima / Peri Psyches - lesen 45 (433a 09 – 433b 31)

  

Protokoll vom 21. Oktober 2026

 

Die Sitzung umfasste die Lesung des 10.Kapitels des 3. Buches.

Der Abschnitt beschäftigt sich weiter mit den bewegenden Seelenteilen, und zwar wie schon zuvor eingeführt, sind es zwei, entweder Strebung oder Vernunft (orexis he nous), dazu ist es erforderlich, die Vorstellung (phantasia) als eine Art Denken hinzuzufügen, denn die anderen Lebewesen verfügen weder über Denken noch Überlegung (noesis oude logismos), sondern nur über Vorstellung. Somit sind auch die anderen Lebewesen indirekt auch zu einer Art von Denken befähigt, wenn Sie über eine Vorstellung verfügen und Zwecke verfolgen. Strebung und und Vernunft sind also fähig, Ortsbewegung zu bewirken.

Jetzt verschiebt sich die Abhandlung in eine Unterscheidung der Vernunft in betrachtende und handelnde Vernunft durch ihren Zweck. Auch jede Strebung besteht um eines bestimmten Zweckes willen, der auch der Ausgangspunkte der handelnden Vernunft (praktikos nous) ist. Hier verwendet Aristoteles das Wort „es scheint“ (phainetai), das das Strebung und handelnde Vernunft die die bewegenden Ursachen seien, denn es ist der erstrebte Gegenstand, der bewegt. Ross macht besonders darauf aufmerksam, das Aristoteles hier das Wort dianoia und nicht nous verwendet, und in den Anmerkungen wird wieder einmal die unterschiedliche Schreibung von orekton und orektikon bei den verschiedenen Editoren besprochen.

Es ist jetzt die Abfolge der Reihenfolge der Bewegungsursachen hergestellt, zuerst der bewegende Gegenstand, dann die Strebung, erst dann die Vorstellung und bei einigen Menschen noch die handelnde Vernunft. Aber Strebung und Vernunft können nicht gemeinsam bewegen, denn Strebung bewegt auch gegen die Überlegung. Es werden neue Wörter für die Strebung der Vernunft eingeführt, das Wünschen (boulesis) und (epithymia). Aristoteles macht sofort die Einschränkung das die Vernunft richtig ist, die Strebung und die Vorstellung sowohl richtig wie auch nicht richtig (orthos) sind.

Der Gegenstand der Strebung ist entweder das Gute (agathon) oder das, was das Gute zu sein scheint. Aristoteles hat kein Wunsch-basiertes Handlungsmodell, sondern ein Gutes-basiertes, wie es Henry S. Richardson in seinem Aufsatz „Desire and the good in De Anima“ sehr formalistisch darstellt.

Das Gute kann Verschiedenes sein.

Aristoteles kehrt zu den Seelenvermögen und deren mögliche Einteilung zurück und zählt einige Vermögen auf wie Ernährung, Wahrnehmung, Denken Beratung (bouleutikon) und Strebung. Dabei kommt er wieder auf entgegengesetzte Strebungen zu sprechen, wie es bei Lebewesen vorkommt, die eine Wahrnehmung von Zeit (kronou aisthesin) haben. So befiehlt die Vernunft auf Grund eines Zukünftigen zu widerstehen, während die Begierde aufgrund des Gegenwärtigen den Genuss wahrnehmen möchte, weil es das Zukünftige nicht sieht.

 

Der Gegenstand der Strebung

Der Gegenstand der Strebung ist das Erste und er bewegt als Unbewegter, indem er gedacht oder vorgestellt wird, doch der Zahl nach gibt es mehrere Beweger.

Es gibt also drei Faktoren der Bewegung

Erstens, das Bewegende

zweitens, das womit es bewegt

Drittens, das Bewegte

Jetzt wird die Reihung wieder umgeändert, das Bewegende wird aufgeteilt in das Unbewegte und das Bewegende, das fähig ist zu streben,

die wirkliche Strebung ist eine Art der Bewegung und das Bewegte ist das Lebewesen. Das Werkzeug mit dem die Strebung bewegt, ist vollends körperlich und eine gemeinsame Leistung von Körper und Seele.

Das werkzeughaft Bewegende findet dort wo Ausgangspunkt und Ende (arche kai teleute) dasselbe sind, wie beim Knochengelenk, wo das Konvexe und das Konkave einmal Ende und Ausgangspunkt sind.

Das Konvexe ist der Gelenkskopf und und das Konkave ist die Gelenkspfanne, der eine ruht, der andere bewegt sich, sie sind verschieden, jedoch der Größe nach untrennbar.

Jetzt wird eine Verallgemeinerung der Bewegung eingeführt, es bewegt sich alles durch Stoß und Zug, weswegen etwas feststehen muss und von dort aus die Bewegung beginnen muss - das Beispiel ist hier das Rad, dessen Achse stillsteht und das Rad, das sich dreht. Eigentlich kein Beispiel aus den Körpern der Lebewesen.

Es folgt eine Summe des Kapitels

Lebewesen, die zur Strebung fähig sind, sind auch fähig sich zu bewegen, zur Strebung ist die Vorstellung erforderlich, entweder vernünftig oder wahrnehmungsmäßig, und daran haben alle Lebewesen ihren Anteil.

 

Karl Bruckschwaiger